Montag, 11. November 2013

(1) DER DREIKINI


Ich kann vieles: Menstruieren, gebären, nähren, aufräumen, saubermachen, kochen, bügeln, stricken, nähen, autofahren, radeln, schwimmen, zeichnen, schreiben lesen, rechnen, mich dummstellen, faullenzen, menschärgerdichnicht, monopoly usw. aber eines kann ich nicht: Kartenspielen. Diesbezüglich ergeht es mir wie dem Boandlkramer der vom Brandner Kaspar beim Kartl'n über den Tisch gezogen wird. Das Ass im Ärmel ist der Grasober, der, das weiß ich ofenfrisch aus dem Internet, im Französischen Blatt (Spiel) kein Mo (bayerisch: Mann) sondern a Wei (bayerisch: Frau) ist. Madame Glas (galeilig: Grün) ist kein Schätzchen, dass zur Sache geht sondern eine Methapher für Pallas Athene (römisch: Minerva). Aus mythologischer Sicht ist die Grüne Minerva eine Kopfgeburt des Zeus-Jupiter, die im Symbol des ausgestorbenen Illuminatenorden als Eule und im Logo der Max-Planck-Gesellschaft, welche mit der Akademie der Wissenschaften in der Residenz und der Bayerischen Staatskanzlei einen rechten Winkel bildet, als Profil erscheint. Wie alle Geheimministerien benutzten auch die "kurzlebigen" Illuminaten (Erleuchteten), deren Bund in der Freinacht 30. April/ 1. Mai 1776 von Adam Weishaupt (*6. Februar 1748) in der Jesuiten-Universitätsstadt Ingol(d)stadt gegründet wurde, eine Sprache, die nur "Eingeweihte" entschlüsseln konnten. So meinten die Weishäuptler, wenn sie "Athen" betonten, nicht die griechische sondern die Isar-Metropole, die unter Schönheitskönig Ludwig., der die hellene Kultur vergötterte, zur Akropolis erblühte. Über den Gründer des Illuminatenorden ranken sich noch immer viele Gerüch(t)e. So soll Weißhaupt z. B. seine zwillingshafte Ähnlichkeit mit Freimaurer Washington (*22. Februar 1733) genutzt haben, um sich als 1. US-Präsident auf dem grünen Dollarschein zu verewigen. Im Umkehrschluss könnte dies auch heißen, dass Weltherrscher Washington, welcher offiziell zwei Jahre nach Beendung seiner 2. Amtszeit am 14. Dezember 1799 auf seinem Herrensitz in Virginia in die Ewigen Jagdgründe einging, Adam Weishaupts Identität annahm, um zehn Jahre nach dem Sturm auf die Bastille (14. Juli 1789) in Old €uropa, mit Aushängeschild Napoleon (**5. Mai 1821 in St. Helena) als Frontmann, eine New Worldorder zu erschaffen.
Bonaparte, der das bayerische Kurfürstentum zum Königreich machte, ist/war der erste Schritt zu einer NSA-WWWorld, die Insider George Orwell in seinem Kultroman 1984 (*Juni 1949), welcher im Gründungsjahr der Bundesladenrepublik erschienen ist, vorhersagte. Der zweite erfolgte nicht auf der Champs-Élysées (Eleusis/Ingolstadt) sondern in "Athen", wo ein untalentierter Kunstmaler aus Österreich am 24. Februar 1920 im Hofbräuhaus die NSDAP (National Security deutsche Agency Partei) gebar. Der dritte Fortschritt erfolgte an Maria Magdalena am 21. Juli 1969 auf dem Mond, der 4te und jüngste Step an 9/11 (2001), ein historisches Datum, das man(n) hierzulande mit dem deutschen Verschwörungstag verwechseln könnte. Am 9. 11. 1938 war der 43. US Präsident noch nicht geboren, am 11. September 2001 verweilte er nicht in Washington sondern medienwirksam in einer Grundschule im Gourverment seines Bruders, um dort das ABC-Waffensymstem der sogenannten Schurkenstaaten zu studieren. Wo sich der an Sommersonnwende 1983 (21. Juni) in Elisabeth City (North Carolina) geborene künftige CIA/NSA-Mitarbeiter Edward Joseph Snowden an 9/11 1984 aufgehalten ist nicht relevant, jedenfalls machte sich Mr. Showdown nicht wie die Gebrüder Grimm oder George Orwell die Mühe seine Enthüllungen literarisch zu verarbeiten, sondern stellte den Schafskopf beim Grasobern (amerikanisch: Onedollar) direkt ins Internet...



Grasobern oder Grünobern ist ein vom Aussterben bedrohtes 4köpfiges Kartenspiel, das, vor der Erfindung des Internets in den Landkreisen Bad Aibling und Rosenheim stark verbreitet, in ganz Oberbayern gerne gespielt wurde. Anders wie beim Green, wo der Ball nicht durch die Luft geschlagen, sondern mit dem Putter ins letzte Loch befördert wird, benötigt man(n) für's Grasobern 4x4x4 (32) Tarock/Schafkopfblättern, aus denen die Sechser (Tarot: VI./Liebenden) bzw. Hexagramme aussortiert werden. Jeder aus dem Quartett erhält die gleiche Anzahl von Glückspielmünzen zu einem vereinbartem Wert (z. B. $), der am Ende des Spiels durch Zukaufen (Verlust) oder Verkaufen (Gewinn) auf den ursprünglichen Zähler gebracht wird. Ist ein "Grüner" der Meinung, dass er in der glücklichen Lage sei, sämtliche Stiche zu erlangen, kann er einen Mord ansagen. Der Mordspieler kann dann seine schlechte Karte, gegen eine bessere tauschen. Um den mördersischen Vorteil auszugleichen, kann der zum Tausch aufgeforderte Spieler einen Retour-Bettel auszuspielen, andernfalls macht der "Rufmörder" sein Spiel. Tauscht dieser nach der Mordansage keine Karte, spielt er automatisch einen Herrenmord mit doppelten Tarif. Hat ein Spieler von Anfang an alle Stiche gemacht, kann er, falls er noch im Besitz von drei Blätter ist, einen Schleichmord ansagen, welcher ihm sieben Blöcke einbringt, steht auf dem Spickzettel des Boandlkramers, dem ich zum ersten Mal vor den Sommerferien nach der Erstkommunion in Begleitung meiner Hollerkreisch (jiddisch: Patin) im Kloster Schäftlarn begegnet bin. Den Gevater Tod, der im trunkenen Zustand über die Schulbühne schwankte, spielte damals mein zaundürrer Vetter Erwin Seitzinger, der im Gegensatz zu mir nicht in die Yantsinger Volksschule, sondern in die Oberstufe des Benediktiner-Gymnasiums ging. Auf dem Rückweg von Schäftlarn nach Kempfenhausen, saß ich übertragenen Sinn neben dem abgeschminkten Boandlkramer aus Percha, der seine Mama, die nicht nur einen Führerschein sondern ein weißes Käfer-Cabriolet besaß, vor jeder Kurve ermahnte das Tempo zu drosseln.
Im Gegensatz zu Cabrioletfahrerin Luise, die sich einen wohlhabenden Verleger aus Percha geangelt hatte, dem die Affäre mit seiner Privatsekretärin bei der Scheidung teuer zu stehen kam, zählte meine führerscheinlose Patentante Rosalie, die mir zur Taufe ihren Namen schenkte (Susanne Rosalia Haußmann) wie Anita Augspurg zu jenen feministischen Gründerzeit-Frauen, die sich gegen eine Ehe entschieden haben. Die Gefährtin meiner God (bayerisch: Taufpatin) ist/wahr eine kinderlose, verheiratete Hutmacherin aus Pasing, die in regelmäßigen Abständen ihre Tante in Kempfenhausen besuchte. Hätte Katharina Josephine (Shossi) Romei regelmäßig bei einem alleinstehenden "Onkel" genächtigt, wäre Oberinspektor Balthasar Romeis, der als höherer Postverwaltungsbeamte viel zu bürokratisieren hatte, irgendwann ins Grübeln gekommen, so aber ging ihm erst nach einem tödlichen RAF-Bombenangriff auf die Hopfenpost zwischen Arnulf-/Marsstraße und Rundfunkplatz das Irrlicht auf. "Gell do schaug'st, überall Sodom & Gomorra", empfing ihn der am 25. Jänner 1934 freiwillig verstorbene Dreikini, der nach der Frühpensionierung auf der Eisenbahner-Laienbühne als Brandner Kaspar geglänzt hatte. Die Rolle, so hieß es, war dem Onkel Fritz (*6. Januar 1854) auf den Leib geschrieben, jedenfalls ließ der unverheiratete Schürzenjäger in fremden Ehebetten solange nichts anbrennen, bis ihm das saudumme Maleur mit der Cili passiert ist.


Cäcilia Haußmann geb. Gerg ist/wahr die Nichte des Dreikini, besser gesagt die Tochter von dessen Stiefschwester, die nicht wie er aus der ersten sondern aus der zweiten Ehe des Sendlinger Wagnermeisters Anton Gerg mit der Tirolerin Hermine Innerhofer hervorgegangen ist. Die Cili, die als fesche Bedienung in der Sendlinger Schießstätte nach einem passenden Hochzeiter Ausschau hielt, hatte dem schneidigen Stiefbruder ihrer Mutter solange schöne Augen gemacht, bis sie in jene Umstände kam, die ein 46jähriger gutsituierter königlich-bayerischer Lokführer in seinem Lebenslauf nicht brauchen konnte. Eine Heirat war aufgrund des nahen Verwandtschaftsverhältnisses ausgeschlossen, aber für Cousin und Cousine gab es im kirchlichen Eherecht eine Dispens, die dem Dreikini teuer zu stehen kam. Es war die Schwangere selbst, die den "Onkel Fritzzz" auf die Idee brachte, in ihrem Namen um die manikürte Hand von Vetter Franz anzuhalten, der schon als Kind lieber mit Puppen statt Räuber und Gendarm gespielt hatte. Anders wie der Zwillingsbruder seiner Mutter, der als echter Halodri galt, interessierte sich der Puppenspieler nur dann für weibliche Geschlecht, wenn er im Schultheater als Julia auf der Bühne stand. So gesehen war es nicht verwunderlich, dass der Uhrmachermeistersohn Franz Haußmann (*24. Dezember 1876) Schauspieler, Kostümbildner oder Photograph werden wollte. Da jedoch nach väterlicher Objektivität aus dem verträumten Jüngling ein echt's Mannsbild werden sollte, kam das verweichlichte Muttersöhnchen in die Obhut des Dreikini, der, bis auf seine Dampfmaschine, keinem Frauenzimmer treu blieb.
Oberflächlich machte die Transformation im Dreikini-Junggesellenhaushalt rasch Fortschritte, da der verhinderte Schauspieler als angehender Lokführer, der wie alle Eisenbahnpioniere erst als Heizer Erfahrung sammeln musste, fortan beim Laienkrippenspiel nicht mehr die Jungfrau Maria sondern, von der Jagdleidenschaft des Patenonkels Friedrich Gerg (*6. Januar 1854) angesteckt, solange den König Herodes spielte, bis der Dreikini beim Anblick der feschen Cili, die seiner Stiefmutter wie aus dem Gesicht geschnitten war, den Kopf verlor. Da der "zölibatäre" Franz, der sich als Kammerzofe verkleidet beim Kocherlball unsterblich in einen Medizinstudenten aus gutem Hause verliebt hatte, seinem Onkel keinen Korb geben konnte und die Cili partout zu keiner Engelmacherin gehen wollte, blieb dem Haussmann Franz in seinem 24ten Lebensjahr kein anderer Ausweg, als in den sauren Apfel, der am eigenen Stammbaum hing, zu beißen, zumal ihm sein g'studierter Freund, der einer pflichtschlagenden Verbindung angehörte, zu verstehen gab, dass eine Scheinehe für homophile Männer in der gehobenen Gesellschaft nicht ungewöhnlich sei.
Vermutlich hätte das "gleichgeschlechtliche" Paar nach der Hochzeit eine harmonische "Josephsehe" geführt, wenn der Lieblingsbruder meiner Patentante nicht im Sonntagsg'wand der hochschwangeren Gemahlin Arm in Arm mit seinem Liebhaber durch den Hofgarten stolziert wäre. Normalerweise wäre niemand aufgefallen, dass die "schöne Münchnerin" ein junger Mann im 7ten Himmel ist, wenn die beiden Turteltauben nicht Hermine Gerg geb. Innerhofer über den Weg gelaufen wären, die ihrer Tochter das weinrote Kostüm eigenhändig geschneidert hatte. Als Cäcilia Haußmann fünf Tage vor Heiligabend anno 1900 einen strammen Buben auf die Welt brachte, hing der schwiegermütterliche Haussegen derartig schief, dass in Sendling befürchtet wurde, dass der arme Franzl (*19. Dezember) ohne Papa wird aufwachsen müssen. Zum Glück gab es den Dreikini, der die Wogen glättete, indem er die erzürnte Mischposche davon überzeugte, dass der Skandal aufgrund einer Polterabendwette zustande gekommen sei. Obendrein überließ der großzüge Onkel der jungen Familie seine geräumige möblierte Neuhauser Eisenbahnergenossenschaftswohnung, in der der haußmännische Stammhalter vom Heiligengeist gezeugt worden ist. Dem anyonymen Kindsvater genügte übergangsweise ein Feldbett in seiner Schrebergartenlaube, die er erst aufgab, als er das verfallene Anwesen in Yantsing, das, so wurde gemunkelt, dem legendären Posthalter Hirner gehört haben soll, erworben hatte.
Aufmerksam wurde der Dreikini auf das Geisterhaus, in dem ich bis zum 17ten Lebensjahr heranreifte, durch einen versiegelten JHS-Brief, den er im großväterlichen Nachlass entdeckt hatte. Darin offenbarte ein jesuitischer Kunsthistoriker, dass die Gnadenmadonna Maria Hilf von Lukas Cranach, auf dem Weg von Passau nach Innsbruck, gegen eine Kopie vertauscht worden sein soll. Dieser Hinweis deckte sich mit genetischen Anekdoten, die nicht nur den 30jährigen Krieg sondern alle folgende überlebt hatten, und deshalb radelte der abenteuerlustige Dreikini an einem lauen Frühlingstag vom Bahnhof Kirchseeon durch den Sauberger Forst nach Yantsing, um seine Fühler auszustrecken. Der Zufall wollte es, dass ein alter Mann im abgezäunten, verwilderten Garten ein Kartoffelbeet anlegte. Nach dem obligatorischen Wortwechsel unterbrach dieser seine Tätigkeit, holte aus einem Versteck hinter dem Abort den Schlüssel und zeigte dem Fremden nach einem Rundgang durch den Obstgarten das heruntergekommene Haus, das seit Jahrzehnten nicht mehr bewohnt schien. "Do is a g'hängt", flüsterte der Totengräber, der vom Kirchenwirt die Erlaubnis bekommen hatte, im brachliegenden Garten Kartoffel und Gemüse zu pflanzen und machte einem Stoßgebet folgend eilig drei Kreuzzeichen. "Wer hod se do versündigt?", fragte der Dreikini, obwohl er die Antwort schon wusste. "A Jesuit aus Innsbruck", antwortete der Totengräber, der sich nach der aufschlussreichen Hausbesichtigung bereitwillig zum Kirchenwirt auf einen "Leichenschmaus" einladen ließ. "Auf dein Wohl, Kaschpar - vergelt's Gott Fritz".
Um keinen Argwohn wecken, lenkte der Dreikini sein Interesse auf die Hirnerstraße und hakte nach, ob damit jener Posthalter gemeint sei, über den der Kobell ein Mundartgedicht verfasst hätte. "Freilich", nickte der G'schafftelhuber, der aufgrund seines Berufes nicht allzuviel Freunde hatte, übereifrig, denn woher hätte der Lokalpatriot wissen können, dass der Lokführer, welcher in Yantsing seinen Lebensabend verbringen wollte, auf den legendären Posthalter gar nicht gut zu sprechen war. "Der Hirner hod uns verkauft", pflegte der Großvater des Dreikini, Wagnermeister Sebastian Gerg, im Zusammenhang mit der Sendlinger Mordweihnacht zu sagen, der nur deshalb nicht fürs napoleonische Vaterland sterben musste, weil seine Fruchtblase am 14. Juli 1789 (Sturm auf die Bastille) geplatzt ist. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn der gebürtige Tölzer wie die rekrutierten Burschen seines Jahrganges gegen den Sandner Wirt hätte kämpf'n müss'n. "Wenn se d'Wittelsbacher die Tiroler ned zum Feind g'macht hätt'n, war in's Kini ned in da Würm da'suffa", sagte der Dreikini vollkommen unerwartet in einem Bariton, .der durch die leere Gaststube hallte. "Mo, dua de ned versündigen", reagierte der Totengräber erschrocken, "ned das'd am End no wega Majestätsbeleidigung noch Stadlheim kimmst". "O mei Doad'ngroba", brummte der Dreikini zufrieden, "wenn'd Schandarm kemma mach is wie eia Posthalter und kim eanna einfach wied'a aus".

"Do moan i brauchst an groaß'n Schutzengl", erwiderte der Kandler Kaschpar, bevor er am nächsten Obstler erwärmte. Es dauerte nicht lange bis der Nachfahre derjenigen, die in der Sendlinger Blutweihnacht umkamen, wusste, dass der Jesuit, der sich im Hirnerhaus erhängt hatte, aus dem Canisius Kolleg Innsbruck gewesen sei. D'Leit so'gn, dass den wega de Sacha noch Minga g'schickt ham, d'z Tirol bei da napolionischen Sekularisation verschwunden san. "Und warum hod sich der jesuitische Kunstexperte ned z'Minga im Jesuitenstift sondern in dera Bruchbude ei'quartiert?", unterbrach der "Beichtvater" den redseligen Informanten: "De Hiawa, des kon koa Fremda wiss'n, war für's Gesinde, g'wohnt hod a Jesuit, Gott sei seiner armen Seele gnädig, im Yantsinger Benefizium, das der Posthalter Xaver Hierner zum Dank für die wundersame Errettung seines Vaters, am 11. Dezember 1722 dem Freisinger Bistum stiftete. "Oa doude Hand wascht'd andere", dachte der Dreikini, bevor ihm der Canisius-Altar in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael in den Sinn kam, welche in der großväterlichen Geheimsprache Argonautenschiff geheißen hat. Den Altar selbst nannte der Wastl-Opa, der seinem am Dreikönigstag 1854 geborenen Lieblingsenkel passiven Widerstand vorlebte, in Anlehnung an die lateinische Wölfin, die Romulus und Remus säugte, "Hundshüttn". "So, so, aus'm Innsbrucker Canisius Kolleg", wiederholte der Dreikini und schenkte dem Totengräber noch einen Obstler nach, bevor er aus taktischen Gründen vor dem unsichtbaren Kirchenwirt, der das Zwiegespräch in der Gaststube von der Küche aus belauschte, seinen Großvater erwähnte, der nicht verstehen konnte, dass so einer wie der Canisius selig gesprochen werden konnte. "Bei an jed'm lasst si wos Guat's find'n, aba vor dem graust's sogar am eisigen Luzifer", pflegte der gebürtige Tölzer, der die Tochter des Sendlinger Wagnermeisters Ignaz Kammerloher geheiratet hatte, zu sagen, wenn der historische Freizeitforscher in Begleitung seines Lieblingsenkels seiner Leidenschaft frönte". Diese Methapher war eine Anspielung auf Dante' "Göttliche Komödie", die der Stellmachermeister auswendig konnte.
"Brutus & Cassius haben einen Tyrannen verraten, der "selige" Canisius hingegen verschwört sich gegen jene, die unter der Willkür des Pontifex Maximus zu leiden haben", steht rot unterstrichen in der Vita des Dreikinis, den C+B+M seinem "Lieblingsneffen" Franz Haußmann nach der Ermordung Kurt Eisners bis zu seinem Lebensende (**25. Januar 1934) diktierte. Aus der familiären Chronik geht hervor, dass Friedrich Gerg nach der Abdankung des letzten bayerischen Königs nicht nur mit den Räten sympathisierte, sondern die Zenzi Mühsam während der 4jährigen Haftstrafe ihres Mannes im Kloster Niederschönenfeld finanziell und organisatorisch unterstützte. Beim Wolfauslassen 1923 vor der Feldherrenhalle sympatisierte er hingegen mit den Hitlerianern, doch nachdem er ein Jahr nach der Heiligsprechung des IHS-Hexenjägers zum 72ten Dreikinifest vom Yantsinger Bürgermeister "Mein Kampf" geschenkt bekommen hatte, wurde ihm bewusst, dass das räudige Wolfsrudel die Canisius Hund(l)inge in den Schatten stellen würde. So gesehen war es für den Dreikini keine Überraschung, dass in den Iden des März 1933 das KZ Dachau eröffnet wurde, in die jene Unbeugsamen weggesperrt wurden, denen man(n) nach der Niederschlagung der Räterepublik, die den blutjungen Freistaat vom 7. April bis zum 2. Mai 1919 "regierte", nicht habhaft werden konnte.
Die "Heiligsprechung" des Petrus Canisius durch Papst Pius im Jahr 1925 war mit ein Grund, weshalb der Dreikini nicht mehr zum Kommunizieren ging. Sogar sein "Biograph" musste ihm versprechen, den Yantsinger Dorfgeistlichen erst dann zu holen, wenn es mit ihm vorbei sei. Um auf Nummer "Sicher" zu gehen ließ sich der Gerg-Vata, wie er von den Ureinwohnern genannt wurde, zum 80ten Wiegenfest beim Kirchenwirt noch einmal großartig feiern, bevor er sich in der Nacht vom 24./25. Janurar 1934, in der das Thermometer auf unter Minus 20° fiel, mit einer Flasche Kerschgeist unbemerkt aus dem Hirnerhaus schlich, das er zwei Jahre zuvor seinem Bua als Mitgift überschrieben hatte. Als der 80jährige Freigeist nicht wie gewohnt zum familiären Frühschoppen erschien, bat die besorgte Gerg Cilli ihre Schwiegertochter nach dem Hallodri zu schauen. Die leidenschaftlich Bogenschützin, der der Dreikini das stade Wildern mit der Steinschleuder schmackhaft gemacht hatte, erkannte auf den ersten Blick, dass die frischen Fußspuren in den verschneiten Obstgarten nicht mehr zurückgekehrt waren. Als Alexandra Haußmann geb. Huber ihren nur mit Nachthemd, Joppe und Filzpantoffel bekleideten erfrorenen Schwiegervateronkel unter dem Apfelbaum entdeckte, ahnte sie, dass sich der Dreikini an Paulus Bekehrung (25. Januar) freiwillig vom Boandlkramer nach Avalon hat bringen lassen. Für die meisten Hinterbliebenen, die beim Leichenschmaus in dem mit Hakenkreuzfahnen geschmückten Saal des Yantsinger Kirchenwirts regen Anteil nahmen, basierte die Todesursache auf dem saudummen Umstand, dass der sturzbesoffene Dreikini auf dem Weg zum Frischluftabort die Orientierung verloren hatte. Nur die Cili und deren Schwiegertochter ahnten, dass der "Unfall" kein Zufall gewesen ist, da im Austrag des Gerg Vata' statt eines Abschiedbriefes neben "Mein Kampf" auf der Eckbank unter dem Herrgottswinkel ein Heiligenbild vom Canisius sowie ein Grasober lag, welcher im französischen Blatt der Pikdame bzw. Pallas Athene entspricht...


http://gutenberg.spiegel.de/buch/4758/1
Als ich in einem geerbten Bauernschrank, der bis zum Ableben meiner großmütterlichen Alleinerziehenden im Keller derer Eigentumswohnung in der Clanze 49 stand, die feinsäuberlich handgeschriebene Familienchronik nebst einigen alten Zeitungsausschnitten entdeckte, blieb ich bei der ersten Lesung an der Oberfläche, da ich die unsichtbaren Botschaften bzw. Metapher meiner hausmännischen Ahngeister nicht entschlüsseln konnte, doch im Internetzeitalter gelang es mir mit Hilfe der Google-Männer den Code zu knacken nach dem Lebensmotto: Meine Baba schenkte mir Vertrauen, mein Papa Vitalität, meine Liebhaber setzten mir Grenzen. Endlose Jahre verbrachte ich in einer Höhle. Fasten und Meditation klärten meinen Geist. Eine Rassel, gefüllt mit Kristallen, ließ mich das Gedächtnis und die Sprache meines Körpers verstehen. Ich erinnerte mich an all die Formen und Gestaltungen, die ich einmal war. Ich bin die Tochter der Sinne – der Besinnung. Vertieft in die Archäologie meines Stammlandes ging ich viele Wege. Kreisförmig, spiralförmig erfuhr ich mich über die Schichten meines Seins. Ging durch Wüsten, bewohnte und unbewohnte.
Quelle: Margarete Petersen - Tochter der Münzen (Grasober)
Der aufschlussreiche Wortlaut stammt aus der Feder von Margarete Petersen, deren Tarotkarten mich seit 13 Jahren durchs Leben begleiten. Am Anfang ging es mir mit dem Orakel wie mit der Familienchronik, doch im Laufe der Zeit ist es mir gelungen, die Feinstoffe bzw. den Staub der sich zwischen den gedruckten Zeilen ansammelt herauszufiltern, sodass ich Wurzel, Stamm und Krone meines Weltenbaumes verbinden kann. In meinem Fall ist Yggdrasil keine teutsche Aiche und auch keine Weltesche, sondern ein uralter Apfelbaum an dessen mächtigem Geäst eine Schaukel hing, auf der ich bis zum erzwungenen Ortswechsel im Oktober 73, der aus mir bis April 91 eine entwurzelte Nomadin machte, in den Himmel fliegen konnte. Der Schaukelbaum, unter dem der Tree/Dreikini am 25. Januar 1934 steifgefroren aufgefunden wurde, ist ebenso wie das Hirnerhaus, das trotz Denkmalschutz abgerissen wurde, Historie, übrig blieb eine Sackgasse, die handgeschriebene Familienchronik sowie ein alter Zeitungsartikel, in dem der Dreikini als "Heimatlicher Komponist" beschrieben ist.




Am17. 12. 1929 erschien in den Oberbayerischen Heimatblättern auf der Rückseite einer Lena-Christ-Kurzgeschichte eine von Yantsinger Dorfschullehrer Angerer verfasste Laudatio über einen Mann, : "…vor etlichen 30 Jahren wanderte ein Lokomotivführer, der damals die Strecke München-Simbach befuhr, zu nächtlicher Stunde von Markt Schwabing nach Yantsing. Ein körperliches Leiden zwang ihn, wider seinen Willen sein Gesuch um Ruhestandsversetzung einzureichen. Untätig dahinzudösen fiel ihm aber gar nicht ein. Er wollte der Menschheit nach besten Kräften weiterhin dienstbar sein. Fast sämtliche bayerische Eisenbahnlinien hatte er befahren und nun hieß es in absehbarer Zeit vom geliebten Dienst Abschied zu nehmen. Da hörte er, dass in Yantsing ein nahezu ganz zertrümmertes Anwesen feil sei. Nachts traf er dort ein. Schon das erste Haus des Dorfes sah in seinem herabgekommenen Zustand dem gesuchten Anwesen gleich: schadhaftes Dach, ruinöses Mauerwerk, verfallene Zäune, ein verwilderter Garten, kurz alles in einem unbeschreiblichen Zustand. Sofort tauchte in dem Nachtwandler der Gedanke auf, das Gesuchte gefunden zu haben. Der Mond zeigte nur zu deutlich die Spuren des Verfalls, aber die Lage war schön, das Anwesen idyllisch an eine kleine Erhebung hingeklebt. Immer wieder versuchte der Kaufliebhaber das vergatterte Anwesen näher zu betrachten und als endlich frühmorgens in einer nahe gelegenen Wirtschaft Licht gemacht wurde und ein dienstbarer Geist die Morgensuppe an den Herd stellte, trat unser Besucher ein, um sich von der Nachtfrische zu erholen und neue Kräfte für den kommenden Tag zu sammeln. Seine Vermutung, dass das erste Haus das gesuchte Anwesen sei, bestätigte sich. Nachdem der geforderte Preis nicht allzu hoch war, wurde der Handel bald abgeschlossen. Ein Eisenbahnwagon voll Werkzeug und Materialien, die sich der Käufer so nach und nach erworben hatte, sollte dazu dienen, das dem Verfall nahe fast 200 Jahre alte Haus instand zu setzen. Der Käufer war Herr Friedrich Gerg, Lokomotivführer aus Simbach. Geboren am 6. Januar 1854 zu München-Sendling als Sohn eines Wagnermeisters, war er das 11te lebende Kind und wurde in seiner Jugendzeit schlecht und recht war, erzogen. Gern rühmt er sich heute noch, dass sein Vater eine fühlbare Handschrift führte und auch seine Freigiebigkeit mit derartigen Erziehungsmitteln nichts zu wünschen übrig ließ. Bei einer solchen Kinderzahl muss aber auch Zucht und Ordnung stramm sein, sollten die elf Sprösslinge taugliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden und später den Anforderungen des Lebens gewachsen sein…
Oberbayerische Heimatblätter – 17. Dezember 1929 – Ein heimatlicher Komponist von M. Angerer aus Anzing
"Nachtwandler" Gerg, der nach einer heißen Suppe beim Yantsinger Kirchenwirt das verfallene Anwesen, Erdinger Straße 15 erwarb, schenkte das 230-jährige Haus nebst ca. 6000 Quadratmeter Grund dem selbsterzeugten Neffen Franz Haußmann, der seine Witwe, Anka Haußmann geb. Popp, geschiedene Isajlovic, acht Jahre nach der Hochzeitsnacht zur Alleinerbin machte. Halbwaise Susi (*22. März 1956) erhielt 1962 an ihrem 6ten Geburtstag den väterlichen Pflichtanteil von 25 Prozent sowie diverse Geschenke, die "Schutzengel Franz" an Weihnachten vergessen hatte", schrieb ich am 18. März 2010 in einen Heimat-Blog, den ich anlässlich der Yantsinger 1200-Jahrfeier  an Georgi 2012 (23. April) ins Netz stellen wollte, doch dann flogen die Tage dahin, ohne dass ich zu einem Orgasmus kam, da ich mich, die Ahngeister mögen es mir verzeihen, auf ein unwiderrufliches Erbe und nicht auf jenen unbezahlbaren Nachlass konzentrierte, der sich nicht in Gold aufwiegen lässt...

 
Man ist als Erblasser grundsätzlich frei in seiner Entscheidung, wen man als Erben seines Vermögens einsetzen möchte. Oftmals wird man gute Gründe dafür haben, nächste Angehörige von der Erbfolge auszuschließen. Für eine Enterbung reicht es bereits aus, wenn man in seinem Testament anordnet, dass eine bestimmte Person als Erbe ausgeschlossen sein soll. In diesem Fall ist die enterbte Person auch von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen. Die Entscheidung jemanden zu enterben, bedarf keiner Begründung und erstreckt sich im Zweifel auch auf die Abkömmlinge der enterbten Person.
http://www.erbrecht-ratgeber.de/erbrecht/enterbung/enterbung_01.html
Als ich Anfang März 1991 vollkommen ahnungslos eine Durchschrift in Händen hielt, die dokumentiert, dass ich mit fünf Jahren notariell vom väterlichen Erbe ausgeschlossen wurde, fragte ich mich nach dem Grund, begann zu recherchieren, suchte nach Vergleichsmöglichkeiten und begann, um einen Überblick zu bekommen bzw. die genetischen Zusammenhänge besser verstehen zu können, die Vergangenheit durch Schreiben zu analysieren. Dornröschen erwachte nach 100 Jahren aus dem gleichnamigen Koma, bei mir gingen bereits in der Halbzeitpause die Lichter an, jedenfalls ahnte ich bereits an meinem 50ten, dass ich nicht die bin, die ich zu sein glaubte, sondern ein sogenanntes "Kuckuckskind" bzw. ein Schaf, das mit den Wölfen heulte. Das dunkle Familiengeheimnis wurde von allen Beteiligten sorgfältig gehütet, bis der sterbenskranke Franz Haußmann in seiner Todesangst zum "Verräter" und das Kind beim richtigen Namen nannte. Beichtvater Heitzmann, war/ist nicht der einzige "Kirchenfürst", der einem reuigen Erbsünder vor der Absolution das "Goldene Vlies" über die Ohren zog und den Bock zum Gärnter machte nach der Devise: "Durch diese heilige Salbung und seine mildreichste Barmherzigkeit lasse dir der Herr nach, was du durch Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Reden, Berühren, Gehen gesündigt hast - Amen". Um nach dem Leichenschmaus den Pflichtanteil berechnen zu können, wurde die Franz-Haußmann-Immoblie ohne Angabe von Quadratmeter vom damaligen 2ten Yantsinger Bürgermeister wie folgt geschätzt:

1. Wohnhaus und Nbenräume - ohne Angabe von Quadratmeter, Tagwerk usw. - 7.000 DM
2. Garten mit Wurzgartl - ohne Angabe von Quadratmeter, Tagwerk usw. - 3.500 DM
3. Gartenland zum Teil mit Fichten, Lärchen und Kieferneu bepflanzt usw. 4.500 DM
4. Heuwagerl und Hauswerkzeug - 15 DM
5. 3 Betten 450 DM
6. Wohnzimmer Einrichtungsgegenstände 100 DM
7. 2 Radio 100 DM
8. Kücheneinrichtung 120 DM
9. Wäsche und sonnstiges Kleinzeug Kleider 200 DM
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Unter dem Strich kam eine Summe von 15.585 DM heraus, die, am 24. Januar 1962 trotz fehlender Dimension von der Gemeinde offiziell mit Stempel und Unterschrift beurkundet, seitens des Sauberger Vormundschaftsgerichtes abgesegnet wurde. Meine Interessen vertrat ein frisch vermählter Kirchenwirt, dessen Schwiegergroßvater dem Dreikini das Hirnerhaus verscherbelt hatte. Da 1/4 von 15.585 eine ungerade Summe ergibt, wurde mein Pflichtteil von 3896,25 DM auf 5000 DM erhöht und auf ein Sperrkonto der SPARDA-Bankfiliale in der Arnulfstraße (ehemals Salzstraße) überwiesen, die von meinem Arbeitsplatz nur einen Katzensprung entfernt ist. Was meine Ahngeister betrifft, zu denen auch der Dreikini zählt, dessen Bild im Yantsinger Geisterhaus ich als Kind anschauen musste, wenn mir der rechte Zopf geflochten wurde, genieße ich zwischen Nymphenburger und der alten Salzstraße einen spirituellen Heimvorteil, der es mir möglich macht, mich auf den Lorbeeren auszuruhen. Während andere, dem Parkinsonschen Gesetz folgend, sich im Hamsterrad der Bauverwaltung zu Tode treten, nutze ich meine künstlerische Freiheit, um ohne Zensur hinter die Kulissen von BB (big brother) zu blicken. In diesem Sinn gleite ich an Sonnwende 2013 (21. Juni) mit meinem silbernen Steppenwolf nach Leutstetten, um mich mit zwei Königinnen im Leutstettner Biergarten zu treffen, in den schon meine hausmännischen Ahngeister, welche u. a. als Königlich Bayerische Lokführer die Strecke München-Tutzing-Weilheim-Murnau befuhren,  eingekehrt sind...
Fortsetzung folgt...

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